Lebenslinien – deutsch-jüdische Familiengeschichten 

Projektname:  Lebenslinien – deutsch-jüdische Familiengeschichten

Träger:  Stiftung Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben e.V.

Kategorie: Matinee und Workshop

Fördersumme: 2.000,00 €

Weitere Informationen:
en.jkmas.de/2011/11/lebenslinien/ www.peutinger-gymnasium-augsburg.de
 

Zum Gedenken an das Novemberpogrom 1938 veranstaltet das Jüdische Kulturmuseum Augsburg-Schwaben seit 2002 die Zeitzeugen-Reihe „LEBENSLINIEN. Deutsch-jüdische Familiengeschichten“. Sie erinnert jeden Herbst an die Geschichte einer jüdischen Familie, die in Augsburg lebte, bevor sie vom NS-Regime verfolgt und zur Emigration getrieben wurde.
Unter dem Titel „...wie glücklich können wir sein, dass die Kin- der in Sicherheit sind.“ stand 2011 die Geschichte der Familie Lamfromm im Mittelpunkt. Als Zeitzeugin war Eva Labby aus Portland (Oregon/USA) zu Gast, die in Begleitung ihres Mannes nach Augsburg kam.
Eva Labby wurde 1929 in Augsburg geboren. Bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten war ihr Vater Paul Lamfromm Teilhaber einer der größten Hemdengroßhandlungen Süddeutschlands. 1937 gelang es der Familie, in die USA zu emigrieren, wo sie mit „Columbia Sportswear“ eines der welt- weit führenden Unternehmen für Outdoorbekleidung aufbaute. Die LEBENSLINIEN begannen am Sonntag, dem 6. November 2011 wie in den Vorjahren mit einer Matinee im Sensemble Theater, bei der Eva Labby im Gespräch mit der Museumsleiterin des Jüdischen Kulturmuseums Dr. Benigna Schönhagen über das Schicksal ihrer Familie berichtete. Bei der Veranstaltung wurde auch das Arbeitsheft mit der Familiengeschichte der Lamfroms öffentlich vorgestellt, das das Museum zu den LEBENSLINIEN erstellt hat.
Im Anschluss an die Auftaktveranstaltung im Sensemble Theater fanden am 7., 8. und 10. November 2011 drei Schüler-Workshops mit der Zeitzeugin statt, an denen jeweils eine
11. Klasse des A.B. von Stettenschen Instituts, des Peutinger- und des Holbein-Gymnasiums teilnahmen. Die dreistündigen Workshops gliederten sich in zwei Teile. Zur Vorbereitung auf das Gespräch mit der Zeitzeugin arbeiteten sich die Schülerinnen und Schüler zunächst eine Stunde lang selbstständig in kleinen Gruppen in bestimmte Phasen der Familiengeschichte ein. Dazu erhielten sie ausgewählte autobiografische Texte, Dokumente und Fotografien, mit deren Hilfe sie ihre eigenen Fragen entwickelten und ein Poster zu ihrem Zeitabschnitt gestalteten. Im zweiten Teil des Workshops präsentierte jede Gruppe ihr Poster im Plenum und richtete ihre Fragen an Eva Labby. Die zweiteilige Konzeption der Workshops hat sich bei den LEBENSLINIEN 2011 erneut als überzeugende Möglichkeit der vertieften Auseinandersetzung mit einer konkreten lokalen jüdischen Lebensgeschichte erwiesen. Die persönliche Begegnung der Schülerinnen und Schüler mit der Zeitzeugin mündete jedes Mal in einen intensiven Dialog.
Um im Sinne des Nachhaltigkeitsgedankens auch anderen Jugendlichen eine Beschäftigung mit der Familien- und Lebensgeschichte von Eva Labby zu ermöglichen, hat es sich das Jüdische Kulturmuseum zur Aufgabe gemacht, zusätzlich zum Arbeitsheft eine interaktive Geschichts-DVD über die Workshops zum Einsatz in Schulen und Jugendgruppen zu produzieren. Mit dem Zuschuss des Bundesprogramms TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN konnte das Museum zwei der drei Workshops von einem Filmteam aufnehmen lassen. Damit liegt das Rohmaterial für die DVD vor, die in einem weiteren Projekt erarbeitet wird.

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